Uwe Schulz

Zentrifugen und Hamburger

Das Heimatinterview, Teil 3

Schön ist ja, wenn auch mal was fertig wird. Hier zum Beispiel das Interview, das ich Schülerinnen des Gymnasiums Bergkamen gab, weil sie das für eine gute Idee hielten und ich gerade nichts anderes vorhatte.
Zum großen Finale also letzte Worte eines zufällig gereiften Mannes. Darin sogar die Wendung: „Die Jugend von heute”, die ich bereits ausgestorben wähnte. Herrlich!

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• Haben Sie mit ehemaligen Schulfreunden oder Lehrern noch Kontakt?

Zu einem Schulfreund sehr intensiv. Zu einer weiteren Handvoll sporadisch und zu einem runden Dutzend – auch Lehrern – über die sogenannten Sozialen Medien.

• Lieblingslehrer/in?

Ja.

• Schönstes Erlebnis?

Einen Sommer lang mit Tante Elses Hund Mohrchen durch die Felder des Dörfchens Ortrand zu toben. Danach mit Schwester und Muttern viel zu viele Schnittchen essen, Sandmännchen gucken und ab ins Bett. 1977 war das.

• Wie haben Sie ihre Freizeit in Bergkamen verbracht?

In Bewegung. Am liebsten im superquicklebendigerfrischendheiterinspierierenden Jugendtreff meiner evangelischen Kirchengemeinde in Overberge. Einige Sommer lang auch mit Tennis, für das ich Talent, aber zu wenig Hitzeschutz hatte. Und interessanter Weise in mehreren Schul-AGs, zum Beispiel auch der Schülerzeitung „Zentrifuge“ und der Volleyballtruppe. Ich war viel mit dem Rad in der Stadt unterwegs, um Kumpels zu treffen und mit ihnen gemeinsam Musik zu hören.

• Was war früher in Bergkamen besser als heute?

Der Anblick von Neu-Monopol. Ohne Seilscheibe sieht der Förderturm aus wie Heidi Klum ohne Zähne.

• Würden Sie wieder nach Bergkamen ziehen wollen?

„Würde ich wollen?“, das gefällt mir. Wahrscheinlich würde ich wollen, wenn mir nur die passenden Wendungen für einen Konditionalsatz einfielen, und da hapert es leider gerade.

• Wären Sie lieber in einer anderen Stadt aufgewachsen?

Nein, „woanders ist auch scheiße“, sagt Frank Goosen treffend fürs ganze Revier.

• Waren Sie mal eine Zeit im Ausland?

Ja.

• Sind Sie verheiratet? Haben Sie Kinder?

Ja. Nein, leider keine eigenen. Aber die Kinder meiner Freunde sind mir fast genauso lieb.

• Welche drei Bücher haben Sie in Ihrem Leben bis heute am meisten beeindruckt?

Floris B. Bakels «Nacht und Nebel», weil der Autor auch im KZ nicht an Gott verzweifelt ist. Heinrich Bölls «Und sagte kein einziges Wort», weil die Figur des Fred Bogner mir so ans Herzen gewachsen ist. «Fleisch ist mein Gemüse» von Heinz Strunk, weil ich selten beim Lesen so laut über so viel herrlich wahren Blödsinn gelacht habe.

• Welche Genres lesen Sie selbst am liebsten?

Populärwissenschaftliche Sachliteratur. Satirisches. Short Stories.

• Was machen Sie in ihrer Freizeit?

Wenn ich viel davon habe: Kurztrips in deutsche und europäische Städte.
Wenn ich wenig davon habe: mit den Beinen baumeln. Beides gerne mit meiner Frau.

• Wie erleben Sie die Jugend von heute? Was sind die Unterschiede?

Die Unterschiede sind die üblichen: Frauen sind anders als Männer, aber das solltet Ihr in Bio schon besprochen haben. Und: wir trugen früher Altmetall zum Schrotthändler, nicht aus dem Piercingstudio heraus. Sonst ist wohl alles wie seit 20.000 Jahren schon. Ich erlebe die Jugend entweder unfassbar mild und zerbrechlich und offen und sozial kompetent und zaghaft vorwärtsdrängend. Oder sehr laut. Keine Ahnung, ob sie mir mal die Rente sichert. Hauptsache, sie macht nicht noch mehr kaputt als meine Generation. Und werft die Fastfoodverpackung nicht immer in der Autobahnausfahrt aus dem Fenster!

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