Uwe Schulz

Fehmarn und Latein

Das Heimatinterview, Teil 2

Eines der längsten Interviews, die ich je geben durfte – das mit Schülerinnen meines alten Gymnasiums in Bergkamen – findet in diesem Teil bereits seinen vorläufigen Höhepunkt, offenbart es doch die Bedeutung des Donnerstags für meine Entwicklung vom Knaben zum alten Sack.

(Hier gehts zu Teil 1)

• Was würden Sie jungen Menschen raten, die Interesse an der Medienbranche haben?

Was ich allen in dieser Findungsphase raten würde, die eine legale Tätigkeit anstreben:
„Probier es aus! – Und sei auf Überraschungen gefasst.“

• Was haben Sie studiert oder gelernt?

Ich habe einen Studienabschluss als Diplom-Journalist der Universität Dortmund mit Zweitfach Anglistik. Gelernt habe ich, dass es wesentlich darauf ankommt, das Lernen zu lernen. Außerdem kann ich Motorrad fahren, 1a Rührei und sehr leserlich mit der Hand schreiben.

• Sind Sie gerne zur Schule gegangen?

Nicht bei 2 Grad und Dauerregen, denn ich hatte dorthin knapp vier Kilometer Weg mit dem Fahrrad. Wenn ich erst mal da und die regendurchweichte Hose wieder getrocknet war, hat es mir meistens gefallen. Freundliche Menschen, interessante Inhalte und prima Frustrationstoleranzübungen in Mathematik (Klasse 8) und Latein (auch Klasse 8).

• Was haben Sie am Städtischen Gymnasium Bergkamen am meisten geschätzt?

Die herausfordernde Wertschätzung durch Lehrer wie Ulrich Kroker. Die pfiffige Zwischenfrage meines Erdkundelehrers (, dessen Name mir leider gerade entfallen ist) in der mündlichen Abiturprüfung und Heinrich Peuckmanns Kichern beim Kicken. Außerdem natürlich Katjas Velourslederboots und Steffis Lächeln.

• Sind Sie für das System G8 oder hätten Sie es gut gefunden ein Jahr weniger Schule zu haben?

Ich halte es mit dem Kabarettisten Hagen Rether und frage: „Menschen werden heute 90, 100 Jahre alt. Warum müssen die Kleinen mit 17 aus der Schule raus sein? Um dann was zu machen? Die Wirtschaft kann mit denen noch nix anfangen, weil sie mit sich selber noch nix anfangen können. Zu klein, um in der WG einen Mietvertrag zu unterschreiben. Dann machen sie erst mal Praktikum. Die Bäume werden 100 Jahre alt und riesig groß, und die Wurzeln dampft man auf Bonsaigröße zusammen. Wozu?“

• Was war der schönste, was der schlimmste Moment ihrer Schulzeit?

Der schönste Moment war in jeder Woche der Donnerstagnachmittag, an dem mir klarwurde, dass nach den Hausaufgaben nur noch ein Freitag auf mich zukommen würde und dann das Wochenende. – Bis dann der Samstagsunterricht eingeführt wurde …. Manche andere Momente waren schwer zu meistern, aber ich will die Verantwortlichen hier nicht nachträglich geißeln. Schwamm drüber. Versöhnt.

• Wo waren Sie auf Abschlussfahrt?

Offiziell? Auf Fehmarn. In einem arschkalten Herbst. Absurd, aber lustig.
Inoffiziell? Mit meinen besten Kumpels und Rucksack in Paris.

 

Teil 1 des Interviews:

Muttertag und Mallorca

 

 

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