Uwe Schulz

Wunder über Wunder

Ich fühle mich herzlich gedrängt, im Wahljahr 2017
wieder intensiver politisch zu streiten.
Weil mir unsere Demokratie am Herzen liegt.
Gleich zwei Kenner unserer Streitkultur ermutigen mich dazu.

Zunächst der Politikwissenschaftler Serge Embacher,
der mir im WDR2-Interview sagt:

»Jede Politisierung ist erst einmal gut,
denn sie fördert die demokratische Kultur und Teilhabe.«
Serge Embacher
(Das zweiteilige Interview hier in voller Länge.)

Zum anderen die Sprachforscherin Elisabeth Wehling, die als „Framing-Guru“ gilt,
also als Fachfrau für Deutungsrahmen, die wir alle im Kopf haben und mit Worten ausdrücken:
„Wenn Sie zum Beispiel das Wort Zimt lesen, aktiviert Ihr Gehirn unter anderem die Region,
die fürs Riechen zuständig ist.“

»Politischer Streit ist ideologischer Streit.
Gutes politisches Framing bedeutet,
seine moralische Sicht auf Fakten transparent zu machen.
Framing ist ein ideologischer Klärungsprozess,
in dem man das eigene politische Denken auf Herz und Nieren prüft.
Erst dann folgt die Sprache.«
Elisabeth Wehling
(Das komplette Interview mit dem Tagesspiegel hier.)

 

Beide Anstöße, kombiniert mit der Einladung einzelner evangelischer Gemeinden,
zum Beginn der Reformationsjahres eine aktuelle Gastpredigt zu halten,
habe ich zu beherzigen versucht, als ich zur Jahreslosung 2017
(»Ich schenke euch ein neues Herz …«) meine eigene moralische Sicht formuliert habe.
Als Journalist werde ich mich weiterhin bemühen, jedem politischen Framing
angemessen und fair Raum zu geben. Meines sollte nun auch transparent sein.

»Wir sollen uns einmischen in das, was unser Gemeinwesen ausmacht.
Das Gemeinwesen, das die Griechen Polis nannten –
und das wir Politik nennen.
Ich verstehe also evangelischen Glauben als einen,
der sich eben doch einmischt in die Politik.«
Uwe Schulz
(Der vollständige Text ist hier zu lesen.)

 

Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Stefanie Bahlinger, Verlag am Birnbach

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