Uwe Schulz

»Ich glaube nicht an das Gute im Menschen …«

Anlässlich des nächsten Meet-the-Author-Dingens im Februar in Bochum
hat mich der Veranstalter mit einem
 
Interview-Quickie verwöhnt.
(Die Fragen hat Jörg 
Eilts geklöppelt.)


Herr Schulz, wir kennen Sie seit Jahren als Radiomoderator (WDR) und als Host bei unserem Netzwerk-Event up*satz. Am 22. Februar werden Sie im Rahmen unserer neuen Reihe up*satzk – Kommunikation & Kultur als Buchautor auftreten. Was können die Besucher von Ihrer Lesung erwarten?

Flüssiger Vortrag sollte das Mindeste sein, das die Gäste erwarten dürfen. Ich muss aber warnen: meistens erzähle ich mehr von Making of fürs – und den Resonanzen aufs – Gedruckte als ich lese. Eine Journalistin im Münsterland hat deshalb mal einen meiner Autorenabende verrissen. Vielleicht fehlte ihr darin das Räuber-Hotzenplotz-Feeling ihrer Kindheit … Aber ich will ja niemanden in die Besinnungslosigkeit rezitieren.

Als Journalist pflegen Sie das Schreiben, u. a. in der Vorbereitung zur Sendung, als tägliches Handwerk. Hat es Sie auch schon immer gekribbelt, Bücher zu schreiben, oder wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin gelernter Print-Journalist, also im Grunde wieder bei meinen Anfängen. Der Funke für jedes meiner Bücher – von den Bonhoeffer-Biografien bis hin zu meinen Storys im Band: »Versöhnung« – war eigene intensive Auseinandersetzung mit Personen und Themen, ohne dass ich anfänglich an Verwertung oder Veröffentlichung gedacht hätte. »Nur noch eine Tür« zum Beispiel wollte einfach in die Welt. Das Buch hat zufällig mich als Autor benutzt. Ich entledige mich beim Schreiben der heiligen Pflicht, ab und zu mal sinnvoll zu kommunizieren.

Die Lesung steht in Anlehnung an Ihr letztes Buch ganz im Zeichen der »Versöhnung«. Angesichts der wachsenden Dissense in Politik und Gesellschaft ein hochaktuelles Thema. Warum glauben Sie noch an das Gute im Menschen?

Ich glaube gar nicht an „das Gute“ im Menschen. Dafür habe ich zu viele Facebook-Kommentare und meine eigenen Abgründe gesehen. Ich glaube an das Gute für den Menschen. »Versöhnung« ist der Versuch, mit dem unbewaffneten Finger dahin zu zeigen, wo es zu bekommen ist.

 

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