Uwe Schulz

Echter Seitenwechsel

Die Redaktion der BVB-Stadionzeitschrift Echt hat mich gerade interviewt.
Über Anfänge und Perspektiven.
Interessanter Seitenwechsel vom Interviewer zum Interviewten.



 

Woher rührt Ihre BVB-Leidenschaft?

Als anständiger Borusse erzählst du hier natürlich vom ersten Mal – für kleines Geld mit Ralph auf der Süd. Ich könnte von einer großartigen Begegnung mit einem alten Schotten erzählen, der mich auf der Sauchiehall Lane mal fast adoptiert hätte, nur weil ich ihn ans Wunder von Glasgow 1966 erinnerte. Ich könnte verraten, dass mit Rickens „Lupfen jetzt!“ die Frau auf meinen Schoß gehüpft ist, mit der ich bis heute verheiratet bin. Das sind meine ganz privaten Augenblicke der Leidenschaft. Aber im Grunde entsteht die mit jedem Spieltag neu, wenn ich erlebe, wie alle Leute hier mit Aufs und Abs umgehen. Ich bin auch Watzke-Fan. Susi-Anhänger. Und Fan-Fan sowieso.

Sie haben seither Enttäuschungen und Highlights erlebt – welche werden Sie nie vergessen?

Wenn irgendwann rauskommen sollte, dass beide Pokalfinals, zu denen ich in Berlin die Fanpartys moderieren durfte – Tempelhofer Feld und Sommergarten – dumm gelaufen sind, dann bekomme ich wahrscheinlich Reiseverbot. Das hat sich beide Male echt mies angefühlt. Am Ende ist es trotzdem eine schöne Erinnerung, weil Schwarz-Gelbe halt auch fair verlieren können. Bei der Meisterfeier 1995 auf dem Friedensplatz haben die total Enthusiasmierten uns eine Riesenbeule in die Motorhaube des Radio-Reportagewagens gehüpft. Der schönste Kaskoschaden meines Lebens. Und ich hab ja ein Faible für winzige Wunder: Wie Nelson Valdez – kennt den noch wer? – im Stadion zum Saisonabschluss vor sieben Jahren mit seinem Kleinen über den Rasen tollt, hat sich mir eingebrannt. Total banal – und ein Highlight.

Welche Spieler aus dem aktuellen Kader sehen Sie besonders gerne auf dem Platz?

Die Antwort ist immer ein bisschen unfair, weil jeder der Jungs was ganz Eigenes mitbringt. Als ich zuletzt im Stadion Dembélé quer durch die Kölner Abwehr dribbeln sehe, texte ich meinem Nachbarn spontan diesen Kitsch hin: „Berührt der eigentlich noch den Boden?“ Unfassbar, mit welcher Leichtigkeit sich 66 Kilo bewegen lassen. Ich schätze, er übt so was.

Teilen Sie Ihre echte BVB-Liebe mit anderen Kollegen in der Redaktion?

Bei WDR2 turnen mehrere meiner Sorte rum; Sabine Heinrich zum Beispiel – auch ein Kamener Gewächs wie ich. Wir klatschen uns im Laden heimlich ab, damit der Programm-Vize nicht weint; der ist ein Blauer.

Was trauen Sie dem BVB für die Rückrunde zu?

Dass er Kontinuität reinbekommt. Stabilität in die berühmten Abläufe. Wenn der Trainer sich auf Berlin und Cardiff und Platz 3 freut, trau ich ihm das auch gerne zu.

 

Share
Stichworte:,